Status, Macht und der Geschlechterunterschied

Die Unternehmensberatung McKinsey stellte 2012 fest, dass Stellenausschreibungen, die mit Macht und einem hohen Grad an Verantwortung und herausfordernd beschrieben werden, eher Männer als Frauen anziehen. Und heute erschien bei Haufe.de die Veröffentlichung einer Forsa-Studie die die Motivation bei der Arbeit untersuchte: Sinn oder Geld, was steht im Vordergrund? Auch dabei zeigten sich gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während sich gut die Hälfte der Frauen vor allem einen sinnvollen Job wünscht, sagen fast ebenso viele Männer, dass ihnen in hohes Gehalt am wichtigsten sei.
So stellte auch die Soziolinguistin Deborah Tannen fest, dass Frauen eher zu einer vorsichtigeren Ausdruckweise neigen und häufiger Fragen stellen. Auch wenn beide Geschlechter gleich viel reden, so tun sie es doch mit unterschiedlichem Auftrag. Männer stellen eher ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in den Vordergrund. Frauen mehr die Beziehung und die zwischenmenschlichen Kontakte. Männer spielen also eher das Spiel „Hast du Respekt vor mir“ während Frauen mehr dazu neigen mit Gesprächen das Spiel „Magst du mich?“ zu spielen.

Statusmodell

 

 

 

Frauen rücken demnach im Statusmodell die Beziehungskoordinate horizontal in Richtung Sympathieerwerb in den Vordergrund. Während Männer eher hierarchisch die Machtkoordinate in Richtung Durchsetzungsvermögen im Blick haben.

Sympathie oder Respekt bilden das große Gegensatzpaar im Status-Spiel. Und dabei auch bei der Kommunikation, der Motivation oder im Konflikt.

Auch gesellschaftlich doktrinierte Leitbilder haben Einfluss auf dieses Verhalten.

Haben Frauen gelernt, eigene Interessen nicht gegen die Interessen anderer zu verwirklichen, so haben sie oft auch nicht gelernt, ihre eigenen Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen. Das zeigt sich auch in Verhandlungen. Frauen neigen eher dazu defensiv zu verhandeln und stellen zugunsten der guten Beziehung die eigenen Interessen eher zurück. Männer haben häufiger gelernt, sich durchzusetzen, ihre Interessen zu behaupten und ihre Gefühle eher zu unterdrücken. „Ein ganzer Kerl halt“ und der hat keine Schwächen zu zeigen. Stärke wird oft über das „Haben“ definiert und über Titel, Gehalt und den Erfolg. Während die Frau sie häufig über die Zugehörigkeit und das beliebt sein bei anderen Menschen definiert.
Beide Geschlechter können voneinander lernen. Auch dazu bietet das Statusmodell gute Möglichkeiten. Das eigene Selbst so aufzubauen, dass der eigene innere Status ein hoher Status ist: Unabhängig von der Anerkennung durch andere Menschen, dem Erhalt von Titeln, Macht oder sonstigen Statussymbolen. Dann kann ich nach außen wertschätzend kommunizieren und mich dennoch am eigenen Selbstwert orientieren: Weich zum Menschen und hart in der Sache – einen Job suchen, der Sinn macht und dennoch die entsprechenden Gehaltsverhandlungen führen.

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